
Die Arbeitslosenzentren in NRW sollen kein Geld mehr bekommen. So steht auch eine der ältesten Anlaufstellen für Erwerbslose in Bielefeld vor dem Aus. Von Ulrich Zucht
»Ich hab´ in den letzten 18 Jahren rund 28.000 Menschen persönlich beraten. So viele wie bei Arminia ins ausverkaufte Stadion gehen« veranschaulicht Karl Ehlert seine Arbeit für das Arbeitslosenzentrum. In dem renovierungsbedürftigen Haus in der Werner-Bock-Straße, direkt gegenüber der Arbeitsagentur, dürfte es bald still werden.
Geht es nach Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) werden die Fördermittel für die 75 Arbeitslosenzentren und 65 Beratungsstellen in NRW gestrichen. Bisher fließen landesweit jährlich 4,6 Millionen Euro aus Mitteln des EU-Sozialfonds in die Einrichtungen.
»Dabei haben seit Hartz IV die Nachfragen und Beratungen drastisch zugenommen. Insbesondere was die Praxis beim Arbeitslosengeld II angeht, das macht heute rund 90 Prozent der Beratung aus,« beschreibt Karl Ehlert die Brisanz und fügt hinzu: »Eine unabhängige Beratungs- und Anlaufstelle ist wichtiger den je.«
Dies sieht selbst Rainer Radloff, Geschäftsführer der örtlichen Arge ›Arbeitplus‹ so: »Eine unabhängige Beratung hat ja auch eine deeskalierende Wirkung für uns. Schließlich gibt es bei der Auslegung der Gesetze oftmals unterschiedliche Einschätzungen. Und rund 30 Prozent der Widersprüche wird ja auch stattgegeben«.
Fürsprache von der ARGE
Mit einem landesweiten Aktionstag für Sozialberatung haben die Zentren und Initiativen Mitte Mai auf die geplanten Kürzungen aufmerksam gemacht. Und darauf hingewiesen, was es bedeutet, wenn keine unabhängige Beratung mehr möglich ist. Denn nach Vorstellung des Sozialministeriums sollen Kommunen und Argen für die Finanzierung der Beratungsstellen einspringen. »Ruck Zuck ist man dann Teil des Sanktionssystems. Die Argen dürfen mit ihren Mittel ja keine unabhängige institutionelle Beratung fördern« sagt Ulrike Gieselmann von der Sozialberatungsstelle Widerspuch e.V.. Auch Rainer Radloff hält nicht viel von der Idee: »Das ist sehr, sehr schwierig – denn die Arbeit der Beratungsstellen müsste ja dann in unserem Sinne passieren. Das wäre nicht unabhängig.«
Sollten die Pläne der Landesregierung Wirklichkeit werden, wird es wohl nur noch unabhängige Beratung von den Initiativen geben, die bisher auch ohne öffentliche Förderung bestehen konnten. »In ganz NRW wären das dann wohl von den größeren und bekannteren nur noch Tacheles e.V. in Wuppertal und wir«, schätzt Ulrike Gieselmann vom Widerspruch e.V. die Zukunft düster ein.