Ende 2008 soll eine elektronische Gesundheitskarte eingeführt werden. Bürgerrechtsgruppen machen Front dagegen. Mit dabei der Bielefelder Gesundheitsladen. Ein Beitrag von Attac Bielefeld: Gerard Brunsperger, Christoph Loschen, Jens Hinze
Die ersten Krankenkassen fordern bereits Fotos von ihren Kunden an. Für die neue e-card. Dabei wird die elektronische Gesundheitskarte sich zu Anfang von der jetzt üblichen Versichertenkarte nur wenig unterscheiden. Zusätzlich zu den bisher gespeicherten Daten soll die Karte ein Foto enthalten. Später kommt das elektronische Rezept hinzu. Zudem können Versicherte ihre medizinischen Notfalldaten speichern lassen.
In einem zweiten Schritt soll die Krankengeschichte in einer elektronischen Patientenakte dokumentiert werden. Hier können medizinische Unterlagen wie Röntgenbilder, Laborbefunde und Arztbriefe abgelegt werden. Diese Daten werden nicht auf der Karte, sondern auf zentralen Rechnern gespeichert. Alle Versicherten, Apotheken, Arztpraxen, Krankenhäuser und -kassen werden so vernetzt.
Um Zugriff auf die sensiblen Daten zu erhalten, muss der Patient seine Karte in ein Lesegerät stecken, der Arzt oder Apotheker zusätzlich seinen Heilberufsausweis. Darüber hinaus muss der Patient eine achtstellige Pinnummer eingeben. Damit seien die Daten sicher, so die Befürworter und versprechen sich durch die Karte einen verbesserten Datenaustausch aller Akteure im Gesundheitswesen. Ein weiterbehandelnder Arzt könne dadurch sofort einen Überblick über die Krankengeschichte eines neuen Patienten bekommen. Teure Mehrfachbehandlungen würden vermieden. Patienten würden so »schneller gesund«, meint etwa die Deutschen Angestellten Krankenkasse.
Wenig Vertrauen
Die Kritiker hingegen fürchten den Missbrauch der großen Mengen an hochsensiblen Krankheitsdaten. Viele Datenschutzexperten schließen dies nicht aus. Günter Hölling vom Bielefelder Gesundheitsladen verweist auf die aktuellen Datenschutz-Skandale: »Die Vertraulichkeit im Gesundheitsbereich wäre dahin«. Ihn beunruhigt die Vorstellung, dass die Daten in falsche Hände geraten und für Dritte, etwa Versicherungen, verwertbar würden. Der Gesundheitsladen betreibt eine unabhängige Beratungsstelle und nimmt Patienteninteressen wahr.
Zusammen mit anderen Ärzteverbänden, Patienten- und Bürgerrechtsgruppen ist die Initiative im Bündnis ›Stoppt die e-card‹ aktiv. 350.000 Unterschriften gegen das Projekt hat das Bündnis allein in den vergangenen Monaten gesammelt. »Die Bürger in unserem Land wollen nicht, dass ihre Krankheitsdaten außerhalb der Arztpraxis ihres Vertrauens gespeichert werden«, sagt die Hamburger Ärztin Silke Lüders, Sprecherin der Aktion.
Mit der technischen Seite des Mammutprojekts, dessen Kosten mit bis zu 13,5 Milliarden Euro in den ersten zehn Jahren veranschlagt werden, haben sich Experten vom Chaos Computer Club (CCC) auseinander gesetzt. Demnach sind die Daten nur ungenügend vor dem Zugriff Anderer geschützt. Das Sicherheitskonzept sei bislang nicht in einem notwendigen Feldtest erprobt worden. Die Daten würden nur teilweise verschlüsselt gespeichert.
Wo liegt der Mehrwert?
Keine klärende Antwort erhielt der Club auf die Frage, wofür sogenannte »Mehrwertdienste« in der technischen Dokumentation der Karte vorgesehen seien.
Solange grundlegende Fragen zum Schutz der sensiblen Patientendaten nicht geklärt sind, rät der CCC den Versicherten, der Aufforderung nach Einsendung eines Fotos nicht nachzukommen.
Weitere Informationen: Gesundheitsladen Bielefeld, Breite Straße 8, 33602 Bielefeld, www.gesundheits.de/gl-bielefeld sowie im Internet: www.stoppt-die-e-card.de und www.ccc.de
Attac trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 20 Uhr in der Bürgerwache. Kontakt: AttacBielefeld@gmx.de