Das Varus-Jahr soll die Kassen klingeln lassen. Christine Russow blickt in den Veranstaltungskalender
In diesem Jahr wollen ziemlich viele Leute Geld verdienen. Das ist spätestens klar, seit lippische Schweinemäster und Fleischer die »Varus-Leberwurst« in Büchsen abfüllen – natürlich mit Hermanndenkmal, Externsteinen, Landestheater und allem Zick und Zack der Region drauf.
Natürlich geht es auch seriöser. Eine der wichtigsten Veranstaltungen im Varus-Jahr wird sicher die länderübergreifende Ausstellung »Imperium-Konflikt-Mythos«. Von Mai bis Oktober beleuchten die Museen in Haltern am See, Kalkriese und Detmold das historische Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln. »Wir zeigen, wie das Ereignis seit dem 15. Jahrhundert genutzt wurde, um Deutschen eine kulturelle Identität zu geben«, beschreibt der Historiker Michael Zelle den Schwerpunkt der Detmolder Ausstellung »Mythos«. Die Schau soll einen Bogen spannen von der römischen Geschichtsschreibung bis zur modernen Forschung. Es geht zum Bespiel darum, wie Arminius und seine Zeitgenossen wirklich lebten, wie die Römer die germanischen Stämme sahen und wie sich die Varusschlacht auf die deutsche und europäische Geschichte auswirkte. Bei all diesen Informationen droht fast die Büchse »Varus-Leberwurst« in Vergessenheit zu geraten. Obwohl das Landestheater auf dem Etikett Interessierte durchaus auf den Geschmack bringen kann.
Auf der Detmolder Bühne ist nicht nur Christian-Dietrich Grabbes Drama »Hermannsschlacht« zu sehen, das durch den Missbrauch der Nazis verpönt war und als unaufführbar galt. In »Hau den Hermann« geht das Schauspielensemble als Römer und Germanen auf einander los und gibt sich der Improvisationslust hin. Ernster geht es im Oktober beim »Ring des Nibelungen« zu. Wer sich die vier Opern zu Gemüte führen will, muss bis zu 291 Euro hinblättern.
Auch Hoteliers, Restaurants und der Handel wollen profitieren. Spezielle Tourismus-Pakete wie »Auf den Spuren des Hermann...« sollen Gäste in die Region locken. Auf dem Programm steht zum Beispiel ein »musikalischer Germanen-Gang rund um das Hermannsdenkmal« mit »Cheruskerumtrunk im gebuchten Hotel«. Für den zweitägigen Spaß müssen die Urlauber mindestens 185 Euro berappen – inklusive Insolvenzversicherung. Infos zu Ausstellungen, Konzerten, Touren und Preisen liefert die Seite www.hermannbuero.de