Webwecker Bielefeld: Sie haben gewählt (01.04.2009)

Sie haben gewählt (01.04.2009)




Wie wählte der Westen bisher? Ulrich Zucht hat eine Wahlchronik zusammengestellt

 

Der ›Bielefelder Westen‹ – also der westliche Teil der Innenstadt rund um den Sieg­fried­platz zwischen Ostwest­falen­damm, Werther­straße, Melanch­thon­straße und Jöllenbecker Straße – war lange bürgerlich geprägt. Noch bei den Kommunalwahlen in den 1970er Jah­ren erreichten die Christ­demokraten die absolute Mehrheit. Auch die Libe­ralen hatten Mitte der 70er Jahre rund um den Siegfriedplatz zweistellige Er­geb­nisse. Wäh­rend CDU und SPD im gesamten Stadt­bezirk Mitte annähernd gleich stark wa­ren, erreichte die SPD im Westen nur etwas mehr als 30 Prozent.

Das änderte sich am Ende des Jahrzehnts. Im Frühjahr 1979 wurde die ›Bunte Liste‹ gegründet – die Vor­gän­gerorganisation der heutigen Grünen. Sie trat im Herbst des gleichen Jahres erstmals zur Kommunalwahl an und zog mit 5,8 Prozent in den Rat ein. Die junge Protestpartei prangerte im Wahlkampf die von allen Rats­parteien unterstützten Pläne zur Stadt­sanie­rung an. Gegen die »Stadt­zerstörung« mit Ost­westfalen­damm und Stadtautobahn richten sich viele Protest­aktionen und Hausbe­setzun­gen im Stadtteil. Im Wahlbezirk Siegfriedplatz erreichten die ›Bunten‹ auf Anhieb ein Spitzen­ergebnis von 9,7 Prozent und überrundeten die FDP.

Dass das noch zu toppen war, zeigte sich bei der Kommualwahl 1984. Die ›Grün-Bunte Liste‹ erreichte im Wahl­bezirk Sieg­friedplatz mit 23,1 Pro­zent mit Abstand ihr bestes Ergebnis. Der Stimm­zuwachs ging vorrangig zu Las­ten der SPD. Sie sank im Westen auf unter 25 Prozent. Aber auch für die Konser­vatien waren rund um den Siegfriedplatz die Zeiten von absoluten Mehrheiten vorbei. Die CDU kam nur noch auf 45,5 Prozent.

Zur Kommunalwahl 1989 trat erstmals die ›Bürgergemeinschaft für Bielefeld‹ (BfB) an. Seither hat die CDU bei Kommunalwahlen im Bielefelder Wes­ten nie mehr die 40 Prozent-Marke erreicht. Die ›Grün-Bunte Liste‹ wurde rund um den Siegfriedplatz erstmals stärker als die SPD. Das Parteien­spektrum erweiterte sich 1999 noch durch die Kandi­datur der PDS (heute: ›Die Linke‹) und ab 2004 der Wähler­gemeinschaft ›Bür­ger­nähe‹. Beide sind heute Dank des Auf­hebens der Fünf-Prozent-Klausel bei Kom­munalwahlen im Rat sowie der Be­zirks­ver­tretung Mitte vertreten.

Überhaupt hat die letzte Kommunalwahl 2004 im Bielefelder Westen einige Verände­rungen hervorgebracht. So stellen die Grünen als nunmehr stärkste Partei im Wahlbezirk 07, Siegfriedplatz und Um­ge­bung, erstmals einen Direktkandidaten für den Rat, während die beiden ehemaligen Volksparteien SPD und CDU unter der 30 Prozent-Marke blieben. Und auch die Sozialisten der heutigen Linkspartei fuhren mit 5,5 Pro­zent im Wahlbezirk 07 bielefeldweit ihr bestes Er­gebnis ein. Irgendwie »Kreuz­berger Verhältnisse«.