Wie wählte der Westen bisher? Ulrich Zucht hat eine Wahlchronik zusammengestellt
Der ›Bielefelder Westen‹ – also der westliche Teil der Innenstadt rund um den Siegfriedplatz zwischen Ostwestfalendamm, Wertherstraße, Melanchthonstraße und Jöllenbecker Straße – war lange bürgerlich geprägt. Noch bei den Kommunalwahlen in den 1970er Jahren erreichten die Christdemokraten die absolute Mehrheit. Auch die Liberalen hatten Mitte der 70er Jahre rund um den Siegfriedplatz zweistellige Ergebnisse. Während CDU und SPD im gesamten Stadtbezirk Mitte annähernd gleich stark waren, erreichte die SPD im Westen nur etwas mehr als 30 Prozent.
Das änderte sich am Ende des Jahrzehnts. Im Frühjahr 1979 wurde die ›Bunte Liste‹ gegründet – die Vorgängerorganisation der heutigen Grünen. Sie trat im Herbst des gleichen Jahres erstmals zur Kommunalwahl an und zog mit 5,8 Prozent in den Rat ein. Die junge Protestpartei prangerte im Wahlkampf die von allen Ratsparteien unterstützten Pläne zur Stadtsanierung an. Gegen die »Stadtzerstörung« mit Ostwestfalendamm und Stadtautobahn richten sich viele Protestaktionen und Hausbesetzungen im Stadtteil. Im Wahlbezirk Siegfriedplatz erreichten die ›Bunten‹ auf Anhieb ein Spitzenergebnis von 9,7 Prozent und überrundeten die FDP.
Dass das noch zu toppen war, zeigte sich bei der Kommualwahl 1984. Die ›Grün-Bunte Liste‹ erreichte im Wahlbezirk Siegfriedplatz mit 23,1 Prozent mit Abstand ihr bestes Ergebnis. Der Stimmzuwachs ging vorrangig zu Lasten der SPD. Sie sank im Westen auf unter 25 Prozent. Aber auch für die Konservatien waren rund um den Siegfriedplatz die Zeiten von absoluten Mehrheiten vorbei. Die CDU kam nur noch auf 45,5 Prozent.
Zur Kommunalwahl 1989 trat erstmals die ›Bürgergemeinschaft für Bielefeld‹ (BfB) an. Seither hat die CDU bei Kommunalwahlen im Bielefelder Westen nie mehr die 40 Prozent-Marke erreicht. Die ›Grün-Bunte Liste‹ wurde rund um den Siegfriedplatz erstmals stärker als die SPD. Das Parteienspektrum erweiterte sich 1999 noch durch die Kandidatur der PDS (heute: ›Die Linke‹) und ab 2004 der Wählergemeinschaft ›Bürgernähe‹. Beide sind heute Dank des Aufhebens der Fünf-Prozent-Klausel bei Kommunalwahlen im Rat sowie der Bezirksvertretung Mitte vertreten.
Überhaupt hat die letzte Kommunalwahl 2004 im Bielefelder Westen einige Veränderungen hervorgebracht. So stellen die Grünen als nunmehr stärkste Partei im Wahlbezirk 07, Siegfriedplatz und Umgebung, erstmals einen Direktkandidaten für den Rat, während die beiden ehemaligen Volksparteien SPD und CDU unter der 30 Prozent-Marke blieben. Und auch die Sozialisten der heutigen Linkspartei fuhren mit 5,5 Prozent im Wahlbezirk 07 bielefeldweit ihr bestes Ergebnis ein. Irgendwie »Kreuzberger Verhältnisse«.