Webwecker Bielefeld: Alles, außer einer Tankstelle (01.07.2009)

Alles, außer einer Tankstelle (01.07.2009)



Die Gutenbergschule ist eines der schönsten und markantesten Gebäude im Bielefelder Westen. Die zukünftige Nutzung ist ungeklärt. Ein Situationsbericht von Ulrich Zucht

 

Bis vor kurzem krakeelten noch Grundschüler auf dem Schulhof der Guten­bergschule. Doch die sinkenden Schülerzahlen sorgten dafür, dass dieses Kapitel im Herbst 2008 ein Ende fand. Vorerst nutzt ein Teil des Max-Planck-Gymnasiums die Räumlichkeiten. Als Zwischenlösung, bis die Asbestfunde in ihrem eigenem Schulgebäude beseitigt sind. Im September 2011 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Und dann? »Das wüssten wir auch gerne«, ist die hilflose Antwort der Verwaltungsbeamten. Die Frage nach der Zukunft des historische Gebäudes ist ungeklärt.

Klaus Rees, Geschäftsführer der grünen Ratsfraktion, hatte zwischenzeitlich die Musik- und Kunsthochschule ins Gespräch gebracht. »Das wäre sicher eine quartiersverträgliche Nutzung gewesen, wie wir sie uns vorstellen«. Doch diese Idee ist qua Verwaltungsbeschluss erst mal ad acta gelegt. Auch für Hartmut Meichsner, Rats- und Bezirksvertreter der CDU ist »die zukünftige Nutzung völlig offen.« Lediglich klar ist, als Grundschule wird es die Gutenbergschule zukünftig nicht mehr geben. »Dafür gibt es keinen Bedarf«, meint Ratsmitglied Nicolas Tsapos (SPD).

Dabei ist der klassizistische Bau – Grundsteinlegung 1899 und Einweihung als Hauptschulgebäude im Oktober 1900 – nicht nur schön anzusehen, sondern ist auch in den Jahren 2001 bis 2002 für rund zwei Millionen Euro grundsaniert worden. Das denkmalgeschützte Gebäude ist deshalb in einem tadellosen Zustand. Das Bauwerk – weitestgehend mit städtischen Mitteln saniert – muss zukünftig nicht zwangsläufig als Schule genutzt werden. »Alles, außer einer Tankstelle und Wohnungen ist möglich«, sagt Architekt Frank Otterbach vom Immobilienservicebetrieb der Stadt.

Was fehlt, beklagt etwa Klaus Rees, ist ein vorausschauender Schulentwicklungsplan. Bei sinkenden Schülerzahlen werden zukünftig noch weitere Grundschulen das Schicksal der Gutenbergschule teilen. Doch vor der Kommunalwahl mag sich niemand festlegen. Lediglich Nicolas Tsapos (SPD) wird konkreter: »Für uns kommt nur eine Schullösung in Frage, dafür haben wir das Gebäude ja gerade saniert«. Die SPD favorisiert augenblicklich das Abendgymnasium und eventuell die Abendrealschule als zukünftige Nutzerin. Aber auch das wird vorerst noch intern diskutiert.