Webwecker Bielefeld: Eine Misserfolgsgeschichte (01.07.2009)

Eine Misserfolgsgeschichte (01.07.2009)




Bei den Erfolgsbilanzen von Arbeitplus bleibt so manches auf der Strecke. Einen Fall erzählt Andreas R. Blochlt

Arbeitplus in Bielefeld hat nach eigenen Berechnungen allein in den ersten zwei Jahren »mehr als 13.900 Hartz-IV-Empfänger in Ausbildung oder Arbeit integriert«. Das sind fast so viele Menschen, wie Arbeitplus pro Jahr betreut. Wer so erfolgreich ist, hat einen lang anhaltenden Applaus verdient. Das Geheimnis dieses Erfolges wollen wir am Beispiel von Herrn S. ergründen.

Herr S. hatte ein Jahr in einem belgischen Knast verbracht. Nach der Haftentlassung besitzt er nur noch, was er am Leib trägt und beantragt daher bei Arbeitplus eine Bekleidungsbeihilfe. Früher, in leidigen Vor-Hartz-IV-Zeiten, hätte ihm das Sozialamt eine Bekleidungspauschale bewilligt, und schwupp wäre Herr S. in der sozialen Hängematte verschwunden. Nicht so bei Arbeitplus, wo Frau P. zuständig ist. Als Nachweis der Bekleidungsnot will Frau P. seinen Haftentlassungsschein sehen. Weil der Knast aber in Belgien war, ist dieser Schein in Flämisch abgefasst. Folglich fordert Frau P., dass Herr S. eine Übersetzung beschaffe.

Der marschiert also los und sucht und recherchiert und findet schließlich einen Übersetzer; Kostenpunkt: 90 Euro, die Herr S. von seinem Hartz-IV-Geld abzweigen soll. Die Übersetzung müsse er, so fordert Frau P., selbstverständlich notariell beglaubigen lassen. Ebenfalls auf seine Kosten, versteht sich. Als Herr S. nun mault, dass ihm dann kein Geld mehr zum Essen bliebe, betont Frau P., dass das alles seine Richtigkeit habe. Ihr Chef sehe das im Übrigen genauso.

Doch Herr S. erweist sich als störrisch und klopft bei der Bielefelder Straffälligenhilfe an. Und dort enträtselt man ihm den Sachverhalt als extraklugen Trick von Arbeitplus: Die Stadt Bielefeld hat einen Übersetzungsdienst, der von Arbeitplus gratis beauftragt werden könnte – wenn Frau P. und ihr Chef das wollten. Aber würde das die Eigeninitiative von Herrn S. fordern & fördern? Natürlich nicht. Und pfeilgenau darum, so wissen Talkshow-geschulte Bürger, geht es doch. Vivat Arbeitplus!