Webwecker Bielefeld: Die Vielfalt ausbauen (24.10.2011)

Die Vielfalt ausbauen (24.10.2011)




Mit der ›Kultur in der Bürgerwache‹ entsteht im Bielefelder Westen ein neuer Kunstort. Von Matthias Harre

Jetzt also noch mehr Kultur? Als ob noch nicht genug los wäre in der ›Wache‹: Ganzjährig stehen sieben unterschiedlich große Räume zur mietgünstigen Nutzung bereit – mehr als hundert Gruppen nutzen dieses Angebot, Partys lassen sich im Keller feiern – besonders in der kühlen Jahreszeit ein schnell ausgebuchtes Angebot. An jedem Markttag öffnet die ›Kaffeewirtschaft‹ schon am Vormittag, bietet ab 12 Uhr bis zu hundert Essen an, und versorgt an schönen Frühlings-, Sommer- und Herbsttagen Menschen mit Genüssen in flüssiger und fester Form. Flohmarkt, Sozialberatung, Stadtteilfest und Radiowerkstatt werden unter dem Dach der 1977 gegründeten Bürgerinitiative Bürgerwache e.V. organisiert und gestaltet. Und, nicht zuletzt, entsteht dort auch, unabhängig vom Verein, die ›Viertel‹.

Obwohl also schon reichlich zu tun ist, hat sich der Verein, der in kultureller Hinsicht bislang meist als Vermieter und nicht als Veranstalter auftritt, in diesem Jahr entschlossen, ein weiteres Fass anzustechen: ›Kultur in der Bürgerwache‹. Soll heißen: Ein kleiner Etat für kulturelle Angelegenheiten (der sich über eine Aufstockung durch Spenden jederzeit freut!) steht zur Verfügung, um KünstlerInnen jeglicher Richtung zu Auftritten einzuladen. So soll die bisherige künstlerische Mischung im Viertel durch neue Akzente erweitert werden. Den Auftakt machte im Juli die viel beachtete Uraufführung von Jürgen Buchmanns ›Wird in Afrika Irisch gesprochen?‹ als halbszenisches Live-Hörspiel.

Prinzipiell kann jede kulturelle Aktion unter dem neuen Logo ›Kultur in der Bürgerwache‹ firmieren. Ob Ausstellung oder Konzert, Lesung oder Theaterstück, das Konzept bleibt offen, stattfinden sollen die Kulturereignisse jeweils in der letzten Woche des Monats.

Am 25. November gibt es in Kooperation mit dem ›Antiquariat in der Arndtstraße‹ mit den ›Memoiren eines Münsterländer Mastschweins‹ eine weitere Uraufführung eines Live-Hörspiels von Jürgen Buchmann. Am 22. Dezember endet das Kulturjahr pünktlich zum Winteranfang mit einem ›Russischen Winterabend‹: Eine Ausstellung des russischen Künstlers Julian Jusim wird mit typisch russischer Winterküche, Musik und Lesungen begleitet. Am 26. Januar begrüßt die ›Wache‹ dann in Kooperation mit der Bielefelder Literaturzeitschrift ›Tentakel‹ zwei Preisträger des NRW-Lyrikwettbewerbs ›postpoetry‹. Wer genau zu Gast sein wird, stellt sich auf der Preisverleihung im Dezember heraus, eingeladen werden sollen auch Bielefelder LyrikerInnen.

Sonst noch was? Ja! Angedacht sind Theateraufführungen, kleine, feine Konzerte im Keller, weitere Experimente mit dem Genre ›Live-Hörspiel‹,  wechselnde Ausstellungen bildender Kunst, auch an die Einrichtung eines festen Termins für Cineasten ist gedacht. Alles zu angemessenen Eintrittspreisen (auch Künstler müssen essen!), immer wieder überraschend.

Info: Anregungen, Wünsche und Vorschläge sind willkommen. Diese bitte per Briefpost an: Bürgerinitiative Bürgerwache e.V., Rolandstr. 16, 33615 Bielefeld.