Webwecker Bielefeld: »Bufdis sind kein Ersatz« (24.10.2011)

»Bufdis sind kein Ersatz« (24.10.2011)




Seit Anfang Juli ersetzt der Freiwilligendienst den Zivildienst. Über die Probleme des Übergangs berichtet Jenny Piel

 

»Zur Berufsorientierung ist so eine Zeit wirklich gut. Nur freiwillig sollte sie sein«, meint Fabian Oberfeld. Als einer der letzten Zivildienstleistenden im ›Franziskus-Hospital‹ musste er noch zwangsweise dienen. Mit dem Aussetzen der  Wehrpflicht ging diese Epoche zu Ende. Denn seither gibt es auch keine ›Zivis‹ mehr, wie die Ersatzdienstleistenden im Volksmund hießen.

Die Lücke soll nun der Bundesfreiwilligendienst schließen. 35.000 Stellen sind bundesweit ausgeschrieben. Doch das Interesse am freiwilligen Engagement ist  gering. Die Träger der ehemaligen Zivildienststellen sind verunsichert. Schon als die Dienstzeit der Zivis verkürzt wurde, lohnte sich für viele Vereine ihr Einsatz nicht mehr. Frank Horn, Fachbereichsleiter bei der ›Gesellschaft für Sozialarbeit‹ berichtet: »Wir      haben die Zivildienststellen schon seit längerem abgebaut. Im Sommer gingen die letzten fünf. Jetzt haben wir einen Beschäftigten aus dem ›freiwilligen sozialen Jahr‹ sowie eine Anfrage.«

Das bestätigt auch Erwin Adams, Geschäftsführer des ›Paritätischen Wohlfahrtsverbandes‹ in Bielefeld und weiß zu berichten, dass auch andere Vereine zunehmend auf Teilzeit- und hauptamtliche Kräfte setzen. Wie etwa der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). »Weil wir wussten, was auf uns zukommt, haben wir uns auf das Ende des Zivildienstes vorbereitet«, so Geschäftsführer Ingo Schlotterbeck. Für ihn sind die ›Bufdis‹, wie er die neuen Freiwilligen nennt, überhaupt kein Ersatz. Nur ungefähr ein Drittel der ehemaligen Zivildienststellen können sie ersetzen. Dazu kommt, dass Anwärter des Bundesfreiwilligendienstes oftmals Jugendliche sind, für die der Freiwilligendienst eine Übergangslösung ist, weil sie weder Ausbildungsstelle noch Studienplatz gefunden haben. Ergibt sich kurzfristig eine Alternative, sind sie weg. Denn eine Verpflichtung, wie beim Zivildienst, gibt es nicht mehr. Deshalb hat auch der ASB aus der Not eine Tugend gemacht. »Wir haben hauptamtliche Kräfte als Ersatz eingestellt. Auch wenn das natürlich teurer kommt«, fasst Ingo Schlotterbeck die neue Lage zusammen.