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Ohne ihn geht hier nix: Bunker Ulmenwall (03.11.2004)






Wer noch nie im Bunker Ulmenwall beim Mai Tai versackte, muss ein Jazz-Feind sein oder ist selber schuld. Wer ihn kennt, mag ihn nicht missen. Bielefelder Musikfreunde sollen schon geschworen haben, die Stadt zu verlassen, sollte der Bunker Ulmenwall kulturpolitischem Sparwahn zum Opfer fallen. Doch die Spielstätte weiß sich zu wehren. Um in Zeiten knappster Mittel das künstlerische Niveau zu halten, setzt Geschäftsführerin Cornelia Vossebein (Foto) mit dem Bunker Ulmenwall e.V. auf Netzwerke.


Von Aiga Kornemann

Ständige Partner sind beispielsweise der Jugendkulturring, das Kulturamt und das Welthaus Bielefeld. Außerdem taten sich Anfang des Jahres Bunker Ulmenwall, das Domicil in Dortmund und der Stadtgarten in Köln zur »Gemeinschaft unabhängiger Spielstätten NRW« (GuS) zusammen. 18 Konzerte aus drei gemeinsamen Projekten der GuS überträgt der Westdeutsche Rundfunk im laufenden Jahr in seinen Hörfunkprogrammen 3 und 5. Den Auftakt machte im Februar ein Konzert der Kölner Saxophonistin Angelika Niescier, Trägerin des Förderpreises NRW 2003, das der WDR live aus dem Bunker Ulmenwall sendete.


Ungarn schwappt nach Bielefeld

Mit Unterstützung der Kunststiftung NRW führt die GuS ab Herbst 2004 eine Reihe mit jungen Gruppen und Solisten der zehn neuen EU-Mitgliedstaaten durch: »Next Wave Europe« bietet in sechs monatlich wechselnden Programmpaketen Konzerte, Workshops und Ausstellungen. Für diesen Herbst stehen Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei auf dem Programm. Am kommenden Freitag, dem 5. November sind etwa das Workshop Bootsie Trio und das Mihály Dresch Quintet im Bunker zu Gast. Im Dezember bringt »Next Wave Europe« tschechische Musiker nach Nordrhein-Westfalen.

Dresch gehört zu den einflussreichsten Musikern Ungarns. Mit seinem vor sechs Jahren neu formierten Quartett, als Quintett in Bielefeld und Dortmund zu hören, hat er seine schon früher wegweisende »Folklore Imaginaire«, eine Verbindung aus ungarischer Konzertmusik und Folklore mit aktueller Improvisationskunst, stetig weiterentwickelt. Im Workshop Bootsie Trio verstärken drei Kölner MusikerInnen das »Solymosi Bootsie Trio«. Gründer Vilmos Solymosi, der Mitte der 90er Jahre als Hip Hop DJ unter dem Namen Bootsie zu arbeiten begann, repräsentiert die dritte Generation ungarischer Improvisatoren.


Akustische Feuerwerke

Ebenfalls gefördert von der Kunststiftung NRW wird der Bunker Ulmenwall neue Künstler und Strömungen aus New York präsentieren. Die Veranstaltungsreihe »off new york« begann bereits im Mai mit einem Konzert der New Yorker Kultformation »Gutbucket« im Bunker: Knapp 200 Besucher füllen das gedrungene Gewölbe des Bunker Ulmenwall. Kerzen blaken in Mauernischen. Das Gebrumm der Klimaanlage verstummt. Noch einmal zischt die Kaffeemaschine. Sekunden konzentrierter Stille durchbricht ein akustisches Feuerwerk aus Jazz, Punk, Funk und Swing, mit dem die New Yorker Kultformation »Gutbucket« ihr Publikum von den Stühlen reißt.

»Toaster« haben Musiker der New Yorker Jazz Szene einen der ältesten Spielorte Deutschlands getauft. 1938 als Sanitätsbunker am Fuß des Bielefelder Sparrenbergs errichtet, bietet der Bunker Ulmenwall gerade mal 200 Quadratmeter öffentliche Fläche. Die Bühne ist entsprechend winzig. Gespielt wird in Augenhöhe und Schnupperweite zum Publikum, das von drei Seiten herandrängt – ein heißer Ort für Künstler, Literaten und Jazz-Liebhaber.


Auch mal schräge Sachen machen

»Gerade diese Nähe trägt viel zur besonderen Atmosphäre im Bunker bei«, sagt Kornelia Vossebein, die seit drei Jahren die Geschäfte der unabhängigen Spielstätte führt. »Hier haben junge Künstler Gelegenheit, sich auszuprobieren, sich auszutauschen, auch mal schräge Sachen zu machen. Und irgendwann spielen sie dann auf der Ruhrtriennale.«