Webwecker Bielefeld: regetheater03

Absurdes Theater um soziale Kälte (Teil 3)



Während die Rede gewollt kabarettistischen Charakter hat, entwickelt sich die darauf folgende Aktion zum absurden Theater. Der blaue Kühlschrank soll der REGe übergeben werden. Während die Demonstranten die drei Stockwerke im Haus Niederwall 8 erklimmen, warnt einer: »Wir sind hier verkehrt, die Geschäftsführung sitzt in Haus Nummer 26«. Dennoch wird der Kühlschrank den Beratern der REGe übergeben, bei der Geschäftsführung fehle ein Aufzug, um das Haushaltsgerät zu transportieren, begründet das einer der Demonstranten. Die Mitarbeiter lassen die Protestierenden ein, fordern aber nach einiger Zeit die zwei Polizeibeamten, die den Protest begleiten, auf, das Büro zu räumen. »Das ist schon interessant: Erst lassen sie die rein und wir sollen die dann rausschmeißen«, wundert sich einer der Beamten.

Eine dramatische Zuspitzung erhält der Protest, als die Tür des Kühlschranks geöffnet wird, Als sichtbares Symbol der sozialen Kälte fällt Eis aus dem Gerät, auf dem Teppich bildet sich eine Wasserpfütze. Der Einsatzleiter der Polizei befürchtet eine Sachbeschädigung des Teppichbodens, die eilig herbeigerufene Verstärkung versucht daraufhin an der Haustür die Personalien der Beteiligten festzustellen. Es wird geschubst, ein Beamter biegt einer Frau die Hand auf den Rücken, bei mehreren Frauen sollen per Durchsuchung die Personalien festgestellt werden. Polizisten und Demonstranten diskutieren aufgebracht die Rechtsgrundlage der Maßnahme. »Die gehen gegen die ja schlimmer vor als gegen Autonome«, wundert sich ein Passant. »Bei derart aggressivem Verhalten mussten wir die Mittel ein bisschen raufschrauben«, begründet ein Beamter das Vorgehen.

Endlich steht das corpus delicti auf dem Bürgersteig vor der REGe und ein beteiligter Polizeibeamter gibt Entwarnung: Die Polizei hat die Beschädigung des Teppichbodens und damit die Straftat, die die Personalienfeststellung begründete, verhindert. »Die Kollegen haben den Kühlschrank rechtzeitig heruntergetragen«, meldet der Beamte. Tatsächlich haben Umzugshelfer in Grün das Gefriermonster in Blau wieder aus dem Haus gewuchtet.

Dennoch hat die Polizei ein Problem. Der Besitzer der Sackkarre, mit der der Kühlschrank in Richtung REGe transportiert worden sein soll - ein Beamter beschuldigt ihn, ein Mittel zur Begehung einer Straftat bereit gestellt zu haben - ist inzwischen nach Hause gegangen. Zudem will der Einsatzleiter den Kühlschrank nur dem rechtmäßigen Besitzer aushändigen. Darüber entsteht ein großes Palaver, schließlich tragen die AktivistInnen den Kühlschrank einfach Richtung Rathaus. Mehrere Staatsschützer in Zivil verfolgen sie, die Polizei vermutet, dass der böse Kühlschrank für weitere Proteste vor dem Rathaus verwendet werden sollte. Mindestens vier Zivilbeamte können dann aber beobachten, dass das Haushaltsgerät nur in den Räumen der Ratsgruppe der PDS, die die Proteste unterstützte, zwischengelagert werden soll.