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»Papierwende jetzt« (Teil 2)






Aber beim Verbrauch sieht es ganz anders aus. Da beträgt der Altpapieranteil nur noch bei rund 50 Prozent. Des Rätsels Lösung: Viel Recyclingpapier wird exportiert, viel Zellstoffpapier wird importiert. Rund 90 Prozent des hierzulande für die Papierherstellung benötigten Zellstoffs wird aus dem Ausland eingeführt. Der Großteil stammt aus Nordeuropa und Kanada, wo auch Urwälder für die Papierproduktion abgeholzt werden. Aber auch aus Ländern wie Indonesien kommt der Zellstoff, von dort aus werden gar 70 Prozent des geschlagenen Holzes illegal nach Deutschland exportiert, schätzt die Umweltschutzorganisation ›Robin Wood‹.

Elf Organisationen, unter anderem der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) und die Verbraucherzentrale NRW fordern aktuell, den Anteil von Recyclingpapier im Verbrauch auf 80 Prozent zu steigern. Dies würde einen riesigen Unterschied ausmachen: Für die Herstellung einer Tonne Papier aus Zellstoff werden schließlich rund 2,2 Tonnen Holz benötigt. Und das stammt inzwischen zu knapp 30 Prozent aus Plantagen, also riesigen Baumfeldern. Meistens handelt es sich um Eukalyptus-Plantagen, in denen sonst kaum noch was wächst und die reichlich mit Pestiziden versorgt werden.

Die Erhöhung der Recyclingquote und die Eindämmung der Papierflut ist ganz im Sinn der Ausstellung, die ganze Problem nicht nur erklärt, sondern eben auch sinnlich macht: Da wird mit Sandsäcken versucht, die Werbeflut einzudämmen, ein Klassensatz Schulhefte muss mit der für die Herstellung benötigten Holzmenge aufgewogen werden, beim Blick in die Gucklöcher der Papp-Plantage können Tiere und Pflanzen entdeckt werden, deren Lebensraum heute den Rohstoff für gigantische Papierfabriken liefern. Ein völlig überdimensioniertes Klo gibt es auch, in dem etliche Rollen Klopapier lagern.


Fokus auf Urwälder in Mexiko

Flankiert wird die Ausstellung durch eine Kooperation mit dem ›Museo Tarahumara‹. Diese kleine Museum in der Neustädter Straße ist in Sichtweite des ›namu‹ beheimatet und zeigt das Leben und Überleben der indigenen Bevölkerung in Mexiko. Die kämpft auch gegen den Raubbau an den Wäldern, in denen sie bis heute lebt. Der Nordwesten Mexikos hat noch Urwaldflächen. Dort existieren über 3.500 Pflanzenarten, eine besonders hohe Biodiversität. Mittlerweile werden die Wälder von transnationalen Firmen im großen Stil abgeholzt.

Und 30 alleinstehende Frauen in diesem Gebiet haben eine Kooperative gegründet, die auf andere Art mit Papier umgeht: Sie schöpfen selbst Papier und lassen damit besondere Dinge und kleine Kunst mit entstehen. Während der Papierwende-Ausstellung wird es gemeinsame Führungen für Schulklassen geben, die dann nicht nur das Naturkundemuseum, sondern auch das ›Museo Tarhumara‹ besuchen.

Für Schüler findet eine besondere Aktion statt: Sie können in Mission für das Recyclingpapier treten. Das Umweltzentrum, die Verbraucherzentrale Bielefeld und die Lokale Agenda Bielefeld fordern Schüler auf, Geschäfte in Bielefeld ausfindig zu machen, die Schulhefte und Schreibblöcke mit dem Blauen Engel verkaufen. Der Engel zeigt an, dass das Papier zu 100 Prozent recyclet entstanden ist. Eine gut Sache also. Und die Schüler können sogar noch weiter gehen und die Läden, die kein Papier mit dem Blauen Engel haben, dazu aufzufordern, doch bitte künftig derartige Ware zu verkaufen. Wer mitmacht, kann eine Besichtigung der Schüco-Arena »mit Überraschung« gewinnen.




Durch Pappröhren schauen und andere Welten entdecken: Sie erzählen von den Problemen durch Abholzung