Webwecker Bielefeld: medienrassismus

Rassismus in den Medien (22.06.2005)



Noch bis Donnerstag, den 23. Juni ist in der Halle der Universität die Ausstellung »Schlagzeilen und Brandsätze« zu sehen. Die Schau des Welthauses Bielefeld beschäftigt sich mit dem Thema Rassismus in den Medien. Auch wenn ihr Schwerpunkt auf der Berichterstattung über »Asylanten« im Vorfeld der Abschaffung des Rechts auf Asyl im deutschen Grundgesetz im Jahr 1993 liegt, hat sie nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.

Denn der mediale Diskurs über Migranten ist auch heute noch von Stereotypen und Angst auslösenden Bildern und Grafiken geprägt. »Allgemein lässt sich sagen, dass die Berichterstattung der Medien ein Negativ-Bild über Flüchtlinge und EinwanderInnen präsentiert und gleichzeitig ein positives Selbstbild entwirft«, beschreibt die Begleitbroschüre diesen Diskurs.

Dass die Bild-Zeitung in ihrer Berichterstattung rassistische Bilder verwendet, überrascht an der Ausstellung nicht wirklich. Aber auch Zeitschriften wie der Spiegel operieren immer wieder mit einer das »Boot ist voll«-Symbolik, Begriffe wie »Flüchtlingsströme« oder »Asylantenflut« sind auch in seriöseren Publikationen als der Boulevard-Zeitung mit den großen Lettern zu finden.

Die Ausstellung beleuchtet auch die regionale Zeitungslandschaft. Während das Westfalen-Blatt, 1993 nach einer Rüge des Presserates aus dem Kontrollgremium der deutschen Printmedien ausgetreten, mit offen rassistischen Parolen wie dem konstruierten Zusammenhang von Kriminalität mit der »Überschwemmung durch Ausländer« operiert, fällt bei der Neuen Westfälischen auf, dass zum Beispiel bei Berichten über Straftaten immer wieder die – irrelevante – Staatsangehörigkeit des Täters oder Tatverdächtigen genannt wird.

Schockierend ist die Gegenüberstellung der Formulierungen in dem NSDAP-Kampfblatt »Rote Erde« und in Artikeln von Bild, Frankfurter Rundschau und Spiegel. Während das NSDAP-Blatt 1931 schrieb: »Juden wohnen in Palästen, Deutsche in alten Eisenbahnwaggons«, fragte 1991 die Bild: »Asylanten … warum wohnen sie zum Teil in Villen und Hotels?«

Zwar wird in der Begleitbroschüre betont, dass »historische Prozesse nicht einfach auf die Gegenwart übertragbar seien«, der Blick in die Geschichte führt aber dennoch zu seltsamen Dejavu-Erlebnissen. So auch bei einem Dokument aus der Schweiz, das 1938 den Visumszwang für Österreicher begründete: »Wenn wir einer unseres Landes unwürdigen antisemitischen Bewegung nicht berechtigten Boden verschaffen wollen, müssen wir uns mit aller Kraft und wenn nötig mit Rücksichtslosigkeit der Zuwanderung ausländischer Juden erwehren«. Die faktische Abschaffung des Asyls in den Neunziger Jahren nach den Pogromen von Rostock und Hoyerswerda und den Morden von Mölln und Solingen wurde ganz ähnlich begründet.


Die Ausstellung kann am 22. und 23. Juni bis 16 Uhr besichtigt werden.