Webwecker Bielefeld: drohung02

Drohung oder Versprechen? (Teil 2)



Kreckel wies darauf hin, dass der Rektor einer Universität immer – oder fast immer – Gleicher unter Gleichen gewesen sei, das Prinzip der Kollegialität und das Recht auf Regelung ihrer eigenen Angelegenheiten sollte den Wissenschaftlern die Möglichkeit geben, möglichst frei zu sein. Im Hauptberuf sei der Rektor Gelehrter gewesen, was sich auch an den Rektorenreden gezeigt habe, die meist Fachvorträge gewesen seien. Dass sich die Stellung der Hochschulleitung in den letzten Jahren änderte zeigten auch wiederum diese Reden, die sich inzwischen meist um hochschulpolitische Themen drehen. »Das sind heute professionalisierte Hochschulleitungen mit hochschulpolitischem Hintergrund«, erklärte Kreckel. Das Hochschulfreiheitsgesetz bedeutet einen weiteren Schritt in diese Richtung. Dem hauptberuflichen Rektor oder Präsidenten soll noch der extern gesteuerte Hochschulrat vorgesetzt werden.


Unterordnung der Wissenschaft problematisch

Reinhard Kreckel erläuterte auch aus soziologischer Sicht, warum das problematisch sein könnte. In Anlehnung an – wie sollte es in Bielefeld anders sein – Niklas Luhmann sprach er von der Ausdifferenzierung der Gesellschaft, von verschiedenen Systemen: Dem der Religion, der Wirtschaft, der Politik und eben dem der Wissenschaft. »Jede Unterordnung des Systems der Wissenschaft unter die Regeln der anderen Systeme hemmt die Erkenntnis«, betonte er. Und zitierte ausgerechnet ein Schreiben von Jürgen Rüttgers aus dem Jahr 1996. »Es müssen Freiheit und Eigenverantwortung der Wissenschaft gewahrt bleiben«, hatte der heutige NRW-Ministerpräsident damals geschrieben. Das Wissenschaftssystem könne am besten wirken, wenn andere Systeme möglichst wenig eingreifen würden, stimmte Kreckel dem damaligen »Zukunftsminister« zu.

Reinhard Kreckel nahm im Lauf des Tages auch an einer Podiumsdiskussion teil. Dabei unterstrich er noch einmal den Appell an die Hochschulen vom Vormittag, in der Auseinandersetzung um das Hochschulfreiheitsgesetz einen »langen Atem« zu haben: »Hochschulgesetze werden aufgrund wechselnder Mehrheiten selten älter als drei Jahre«, beschrieb er seine Erfahrung.

Dieter Timmermann erklärte bei der Diskussion auf Nachfrage von Moderator Andreas Liebold, dass einige personalrechtliche Aspekte des Gesetzesentwurfs positiv zu bewerten seien. Positiv sei auch, dass das ursprünglich vorgesehene Insolvenzrecht der Hochschulen gefallen sei. Er begrüßte im Gegensatz zu Kreckel auch den »langfristigen Trend zu hauptberuflichen Mitgliedern des Präsidiums«. Er bemängelte aber die Machtfülle für den Hochschulrat. »Viele Rektoren sind der Ansicht, dass die Kompetenzen von Senat und Hochschulrat umgekehrt werden müssen«, zeichnete er ein Meinungsbild aus der Landesrektorenkonferenz. Kritik gab es von Timmermann auch dafür, dass die Folgekosten der Reform unklar seien und forderte auch deshalb einen Aufschub des Gesetzes.

Christian Lindner, Generalsekretär der FDP in Nordrhein-Westfalen, versprach, dass die Kosten durch Umschichtungen im Landeshaushalt kompensiert werden würden. Außerdem würde den Hochschulen im Land durch das Gesetz die Möglichkeit eröffnet Geld zu verdienen. »In den USA veranstalten die Universitäten in der Sommerpause ›Summer-Schools‹«, wusste der studierende Politiker. Er stellte auch in Abrede, dass der Senat entmachtet würde. Den Hochschulrat findet er als »Gremium, das nicht nur Gruppeninteressen vertritt« toll und meint: »Wir brauchen eine neue Form des Wissenschaftsmanagements«.