Webwecker Bielefeld: genfutter01

Wenn »Alpenmilch«-Kühe Gen-Soja futtern (07.07.2004)



Nette Kühe













Von Emnid durchgeführte Umfragen haben noch vor gut einem Jahr ergeben, dass die Mehrheit der Verbraucher weder in Lebensmitteln, noch im Tierfutter, noch im Saatgut Gentechnik haben will. Umwelt- und Verbraucherverbände nähren die Zweifel am Nutzen genmanipulierter Pflanzensorten mit Informationsmaterial und pressewirksamen Aktionen.


von Aiga Kornemann

»Bei einem so schwerwiegenden Eingriff in das Erbgut der Pflanzen sind die Folgen für Mensch und Umwelt nicht abschätzbar. Das gilt auch für Tiere, die genmanipuliertes Futter fressen«, nennt Greenpeace Gentechnik-Experte Christoph Then das stärkste Argument der Gegner. Für Gentech-freie Lebensmittel setzt sich Greenpeace im Wesentlichen auf drei Ebenen ein. In die Presse kommt die Umweltorganisation für ihre Kampagnen. Die interaktive Satire-Kampagne »Alles Gen-Milch, ... oder was?« musste Greenpeace Ende Juni stoppen. Kontrahent Müllermilch hatte eine Unterlassungsklage gewonnen. Greenpeace will nicht locker lassen, denn den Marktführer zu einer öffentlichen Erklärung gegen Gen-Soja zu bringen, wäre ein Meilenstein im Kampf der Umweltschützer gegen eine mächtige Gentech-Agrar-Lobby.


Ringen auf dem Rechtsweg

Ebene Zwei: Ein Ringkampf auf schlammigem Rechtsweg. Noch offen ist der Ausgang einer Klage, die Greenpeace und die Verbraucherzentrale Hamburg im Juni wegen irreführender Werbung gegen Müller angestrengt haben. Sie werfen dem Hersteller vor, unter anderem mit der Bezeichnung »Alpenmilch« die Verbraucher zu täuschen. Denn Müllers Vertragskühe fressen nicht nur auf der Alm. Sie bekommen Kraftfutter, das Gen-Soja enthält. Da sind sie nicht die einzigen. Mittlerweile werden 80 Prozent des in erster Linie aus den USA und Kanada importierten Gen-Sojas zu Futtermittel verarbeitet. »Gentechnisch verändertes Soja ist handelsüblich«, stellen Forscher der TU München in Weihenstephan klar und folgern, der Zusammenhang mit einzelnen Molkereien sei nicht haltbar.


Die Wissenschaft will nicht festgestellt haben

Genmanipulierte Rohstoffe in Futtermitteln konnten in Milchprodukten lange nicht nachgewiesen werden und wurden deshalb bei der im April neu aufgelegten Kennzeichnungsverordnung nicht berücksichtigt. Greenpeace will jüngst Beweise gefunden haben, dass Weihenstephan erstmals gentechnische Verunreinigungen in Milchproben entdeckt hat, diese Entdeckung aber verharmlose. Die TU gibt zu, dass sie bereits vor drei Jahren Milchproben erhalten habe, die »überraschenderweise Hinweise auf Spuren transgener DNA-Fragmente gaben«. Diese Proben seien aber nicht Bestandteil einer wissenschaftlichen Studie gewesen, darum nicht zuverlässig, außerdem seien die nachgewiesenen Spuren »biologisch nicht relevant«.