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Tango am Teuto (01.12.2004)





Der Bielefelder Olaf Herzog gibt Europas größtes Magazin für Tango Argentino heraus und versorgt auf diese Weise auch die kleine und sehr mobile Tango-Szene Ostwestfalens mit allem, was sie wissen muss.

(Bielefeld bewegt) Nein, nervös mache ihn der Gedanke an die Zukunft nicht, sagt »Tangodanza«-Gründer und Herausgeber Olaf Herzog: »Es läuft.« In vier Ausgaben jährlich versorgt das 100 Seiten starke Magazin seit fünf Jahren die Tango-Szene im deutschsprachigen Raum mit allem, was sie wissen muss. Klar rubriziert greift der redaktionelle Teil politische und gesellschaftliche Entwicklungen auf, entstaubt die Geschichte des Tangos, porträtiert Orte und Ideen, Leitfiguren und skurrile Randgestalten des »kulturellen Tango-Universums«. Mit 3.000 abonnierten, 1.000 über den Bahnhofsbuchhandel und 1.000 über den freien Verkauf in Tanzschulen vertriebenen Exemplaren ist »Tangodanza« das europaweit größte Magazin für den Tango Argentino.


Die ganz persönliche Leidenschaft

»Dieser Tanz ist meine ganz persönliche Leidenschaft«, erzählt der 40-Jährige. »Der Ausgangspunkt war schlicht die Lust am Tanzen. Irgendwann wünschte ich mir, gemeinsam mit einer Partnerin professionell zu tanzen. So bin ich zum Tango Argentino gekommen.« In Berlin, Bremen und Zürich ließ sich Olaf Herzog zum zertifizierten Tango Argentino-Lehrer ausbilden, bot zunächst in seiner Heimatstadt Minden Workshops und später Kurse an. »Später habe ich auch in Bielefeld eine kleine, aber feine Tango-Szene aufgebaut und in großem Rahmen Bälle zu live gespielter Orchestermusik veranstaltet.«


»Wir wissen, worüber wir schreiben«

Für den gelernten Grafik-Designer Olaf Herzog war die Stadt am Teutoburger Wald auch aus beruflichen Gründen interessant. »Für Grafik und Verlagswesen ist Bielefeld ein ausgesprochen gutes Pflaster. Hier habe ich kompetente Kooperationspartner.« Und Tangobegeisterte dazu: »Wer für ‚Tangodanza‘ arbeitet, der tanzt auch den Tango Argentino. Das ist unser Qualitätsmerkmal. Wir wissen, worüber wir schreiben. Und das merkt man dem Magazin an.«


Die klaren Rollen im Tango

Stoff für immer neue Artikel und Diskussionen biete schon die Rollendefinition im Tango. »Die Stile und Möglichkeiten der Improvisation im Tango Argentino basieren traditionell auf klar definierten Geschlechterrollen«, erklärt Olaf Herzog. Der Mann bestimmt, wo es lang geht. Er führt die Tanzpartnerin – im Idealfall selbstbewusst und zielsicher – durch den Raum, schützt sie vorm Zusammenprall mit anderen und stellt ihr gleichzeitig tänzerische Impulse zur Verfügung.


Geschlechterkampf und Leistungsdenken

Tanzpaare von heute haben damit ihre Probleme. Der moderne Mann, im täglichen Leben ein gleichberechtigter Partner an der Seite seiner Frau, fürchtet sich schon mal vorm Führen. Die Partnerin wiederum versteift sich bei dem Gedanken an eine tradierte Frauenrolle. »Der schönste Tango ist für mich nicht der, der am besten aussieht, sondern der, der sich für beide am besten anfühlt«, positioniert sich Herzog abseits von Geschlechterkampf und Leistungsdenken.


Auf der ganzen Welt zu Hause

Rund zwei Dutzend Tango-begeisterte freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus aller Welt unterstützen die Redaktionsmitglieder. Englisch und Spanisch bestimmen den Arbeitsalltag. Im grafischen Bereich des jungen Verlags entstehen neben »Tangodanza« auch Cover für Bücher, CDs und Videos, selbst produzierte Postkarten und Poster zum Thema Tango, die im Internet vertrieben werden. Soll für internationale Tango-Festivals oder Reiseangebote geworben werden, zählen die Bielefelder zu den bevorzugten Partnern.


Eine kleine und sehr mobile Szene

»Unser Flaggschiff aber ist und bleibt ‚Tangodanza‘. Wohl kein anderes europäisches Tangomagazin ist in Bezug auf Umfang, Aufmachung und Vertriebsstrukturen ähnlich professionell gemacht.«