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Soziales Netzwerk gegen Niedriglöhne (Teil 3)



Die Anwesenden, vor allem die Vertreterinnen der betroffenen Frauen, waren bei der Gründungsveranstaltung des Sozialen Netzwerks richtig sauer. Mit der Einführung der Niedriglöhne ist für sie offensichtlich eine Grenze erreicht. Die Betroffenen müssen zukünftig zu Löhnen arbeiten, die sie – wenn sie teilzeitbeschäftigt sind, und dass sind die meisten – in die Nähe der Sozialhilfe rückt. »Warum soll ich dann überhaupt noch arbeiten gehen? Dann kann ich doch gleich zum Sozialamt«, brachte eine betroffene Mitarbeiterin der Städtischen Kliniken ihre Sicht der Dinge auf den Punkt. Dem stimmte ver.di. Sekretär Levenig zu: Die Betroffenen würden dann viel zu wenig Lohn erhalten, zudem würde der öffentlichen Hand Steuern entgehen und die Sozialversicherungssysteme würden auch weniger Geld erhalten. Zumal die Gewerkschaft darin ein »Einfallstor auch für andere Lohngruppen sieht«.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde in der Diakonie in Gottes Auftrag und für Gottes Lohn gearbeitet. Geld wurde kaum gezahlt. Doch schon längst hat auch kirchliche Einrichtungen wie die v.B.A. der Geist des Geldes erreicht. Professioneller Idealismus will heute monetär entlohnt sein, auch Sicht der Gewerkschaften »tariflich«. Die kirchlichen Träger ,städtischen Kliniken und sonstige soziale Einrichtungen wissen trotz des enormen Kostendrucks eigentlich, dass sie die Zeit nicht zurückdrehen können.


Dennoch versuchen sie diesen Kostendruck auf die MitarbeiterInnen abzuwälzen, indem weniger Lohn gezahlt wird oder Arbeitsbereiche »outgesourct« werden, also an andere Unternehmen vergeben werden: Beides hält das neue Soziale Netzwerk für die völlig falsche Idee. »Der Systemwechsel ist heftiger Natur, wir wollen Gegenwehr entwickeln«, sagte Levenig. Dabei ist ver.di zum Ergebnis gelangt, dass sie alleine chancenlos ist. Nur ein breites Netzwerk, in dem viele Ideen existieren, die auf unterschiedliche Weise am gleichen Ziel arbeiten, könne die Niedriglöhne verhindern. Dabei soll die Kampagne kurz und heftig sein. Von »Eigenaktivierung der Beschäftigten» und »Skandalierung der Zustände« sprach Georg Wissmeier, Moderator des Sozialen Netzwerks. Als erster Schritt wurde ein Informations-Flugblatt, das in sechs Sprachen erscheint, vereinbart. Viele der Betroffenen sind Frauen und Migrantinnen. Zum Internationalen Frauentag soll es am 7. März in der Alten Hechelei eine Information im Rahmen einer Veranstaltung geben, am 8. März eine »kleinere Aktion in der Innenstadt«. Zudem soll Beratung in den Betrieben stattfinden. Die türkische MigrantInnen-Organisation DIDF schlug vor, sie könne Informationsveranstaltungen in türkischer Sprache durchführen. Arbeit und Leben Herford hat ein Seminarprogramm für Mitarbeitervertretungen aufgelegt, um diese weiterzubilden. Ein weiterer Vorschlag kam von Albert Heidinger (PDS): Eine Anlaufadresse für Betroffene von Lohndumping einzurichten.

Das nächste Treffen des Sozialen Netzwerks findet am 11. März um 18 Uhr im Konferenzraum der Gewerkschaft ver.di (Oelmühlenstraße) statt. Interessierte sind willkommen, vorherige Rückmeldung an Franz Levenig (0521-41714237) wird erbeten